Mittwoch vor dem Gig.
Ich bin ganz guter Dinge und bin schon langsam gespannt auf den anstehenden Auftritt. Diesen Samstag ist es endlich endlich endlich endlich soweit.
Ich erlaube mir nen blöden (und schlechten) Scherz mit 'nem Kollegen der nächste Woche ins Flugzeug steigen soll - nach dem Motto "wird das überhaupt noch was...!?". Nur gut, dass ICH mit sowas keine Probleme hab.
Freitag Abend.
"PiepPiepPiep..." Ich gucke aufs Handydisplay und lese "Thomas ruft an". Bam! Mein Hirn rastet ein und ich begrüße den Armen mit den Worten "Ach, scheiße! Na klar! Oh nein, du bist ja in Spanien!". "Ja genau" sagt er, und dass er nicht weiß ob er morgen heimgeflogen wird. Wie soll man mit so ner Nachricht ruhig schlafen?
Samstag
"PiepPiepPiep..."Aufwachen, Augen auf, Handy in die Hand, das verkündet mir mit völliger Gelassenheit "1 neue SMS von Thomas". Die Spannung steigt ins unermessliche und dann: Zack. "Moin, schlechte Nachrichten. Unser Flug wurde eben annulliert. :-(" Scheiße. Was jetzt?
Sieben Stunden bis zum Soundcheck.
Erstmal die anderen Jungs anrufen, die wissen auch schon Bescheid und nach 'ner Weile quatschen beschließen wir, wir können die Veranstalter (die Band Sixpack) auf keinen Fall hängen lassen: wir müssen mindestens eine Ersatzband organisieren. Sofort! Wir hängen uns an die Telefone und legen los, haben aber nicht so schnell Erfolg. Die Zeit verrinnt.
Fünf Stunden bis zum Soundcheck.
Klar, wer uns jetzt fragt wie's denn so geht bekommt eine etwas längere Antwort und eine große Portion Fassungslosigkeit, garniert mit nem Schuss Ratlosigkeit: "Cleeeeemens, voll doof, was machen wir denn jetzt, sag doch mal schnell" wird mein Mitbewohner zwischen Aufstehen und Badezimmer von mir bombadiert. Der weiß es auch nicht, findet es aber nich so problematisch irgendwie zu spielen und punkrockmäßig würde das ja eh passen... Ahja... Danke! Ich frag jemanden der selbst Musik macht. Natürlich können wir NICHT einfach mal so spielen. Keine Chance, no way, wir blamieren uns nur und dann wars das. Nein danke, heute mal ausnahmsweise nicht.
Also weiter mit den Jungs telefonieren und 'ne Lösung finden. Vielleicht hat ja schon ne Ersatzband zugesagt!? Aber Moe hat auch nichts von ner Ersatzband gehört, aber auch gesagt bekommen "spielt doch, wird bestimmt super".
Weitertelefonieren. Matze ist auch nicht so richtig dagegen selber zu spielen. Wir fangen an zu überlegen ob wir irgendeine Chance haben, ein Programm hinzubekommen.
Vier Stunden bis zum Soundcheck.
Nach endlosen Diskussionen, Überlegungen und totalem Frust entscheiden wir uns, dass wir es versuchen wollen. Und das Wichtigste: Thomas gibt sein OK – Ohne hätten wir den Gedanken sofort wieder verworfen.
Also ab gehts, wir treffen uns nochmal im Proberaum, arrangieren die Songs um, einigen uns, wer jetzt was macht, „Hey kannst du den Text komplett und sicher?“ „Ja aber wie geht die zweite Stimme ich sing doch da sonst dritte…“ Hannah, die Wächterin der Zeit, macht uns Druck und das ist gut. Muss auch reichen so.
Dreißig Minuten bis zum Soundcheck.
Der Golf wird beladen, Gitarre auf die Knie und …. wir kommen doch tatsächlich pünktlich am Gaswerk an. Wer hätte das noch gedacht!?
Der Soundcheck ist ganz gemütlich. Gibt ja auch gar nicht so viel einzustellen - Schlagzeug, Bass, Gitarre, zweimal Gesang, das wars. "Ich hätte mich gern lauter aufm Monitor bitte". Danke, bis später dann.
Damit’s auch weiterhin spannend bleibt entschließen wir uns vor dem Auftritt noch "Bönnigheim Downtown" anzugucken. Bandintern waren wir in der Aufregung perfekt auf einem Nenner und haben optimal synchron unser Bares vergessen.
Irgdwie unpraktisch wenn man noch den üblichen Kiosk-Krempel besorgen will.
Glücklicherweise finden wir den Weg zurück zum Gaswerk auf Anhieb - sogar ohne das Navi einzuschalten.
Matze und ich verschwinden mal noch schnell drei Häuserblocks weiter zum Einsingen. Draußen einsingen ist übrigens super: die Luft ist frisch und die Nachbarschaft hört interessiert zu - was will man mehr? ;-)
Wir gehen Richtung Instrumente und ich entdecke bekannte Gesichter - und freu mich wie blöde, Freunde im Publikum zu haben!
Wir stürmen also die Bühne und rocken los. Und spielen und singen und hüpfen und haben Spaß. Und was machen die da im Publikum? Die jubeln nach dem ersten Song so dermaßen ausgelassen, dass ich völlig doof gucke: Wow, die mögen uns ja. Und alles ist gut.
Joe
--------------------------------------------------------------------------------
Wir genießen die Zeit auf der Bühne - auch wenn ohne Sänger und Rhythmusgitarristen was fehlt - und machen aus unserer Dreisamkeit einen Spaß. Es klingt nicht perfekt, macht aber einen riesen Spaß und das kommt auch beim Publikum gut an. So können wir die 45 Minuten komplett füllen und ruhigen Gewissens sagen: Gut, dass wir das Ding durchgezogen haben.
Nach uns rockten Kaéla und die Veranstalterband SixPack ordentlich die Bühne - jeweils in Vollbesetzung. So wurde es für alle zu einem super Abend, der uns noch eine ganze Weile in Erinnerungen bleiben wird. Und die müssen wir jetzt irgendwie für Thomas konservieren ;-)
Moe
Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Inhalt. Hier kannst du einen schreiben: