Leise Töne aus dem Outback

Artist-News vom 03.04.2010

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Paul Fogarty and his lap slide guitar at Pony Bar, Hamburg.
Artikel aus der Blick vom Fernsehturm vom 18.11.2009
Frauenkopf.

Der australische Liedermacher Paul Fogarty im Cassiopeia.
Von Martin Bernklau

Er gehört zu den Bescheidenen der Zunft, zu den leisen Liedermachern. Zu denen, die Worte voll Poesie und Kraft über kunstvoll einfache Musik vernehmbar machen. Wenig Aufwand, eine Gitarre, vielleicht eine Mundharmonika für zwischendurch, und die Stimme. Folk ohne Anbiederung an Ethno-Kitsch und das, was man den Mainstream nennt.

Paul Fogarty kommt von der anderen Seite der Welt. Und da nochmal von weit draußen. "A bitchen Farm" in den australischen Outbacks, da ist er aufgewachsen. Im Cassiopeia ist es ein wenig schade, dass seine Sprache das Englische ist und manche Zuhörer die Feinheiten der Texte nur erahnen, zumal sein Akzent ein wenig zum Vernuschelten neigt. Aber dass es ums Ganze geht, um diesen ganzen Paul Fogarty, das macht schon der erste Song klar: "Dead or alive". Bei aller Ironie.

Still, sagt er im Gespräch, sei es gewesen, da wo er aufwuchs. Vor allem still. Und manchmal kalt auf dieser Farm seiner Eltern. Wellblech und winters fünf Minusgrade in einer Region, die hierzulande eher mit Tropen oder Wüste verknüpft wird, "in the middle of nowhere". Schafe, Rinder, Weiden, Weiten. Das hat seine Ohren geschärft, sagt Fogarty: "Es war so unglaublich ruhig da, als wäre man Teil eines Gemäldes." Dort, in der frühen Jugend, hat er zu schreiben begonnen gegen die Stille. Und bald hatte er Melodien im Kopf. Aus dem Radio tönten allenfalls mal die Bee Gees. Geradezu biblische Plagen, von Dürren über Ratten, Mäuse und Heuschrecken hätten seinen Eltern das Leben zur Qual gemacht, bevor sie in die Stadt flüchteten. Und dort, in Sydney, kam er mit einer Kultur in Kontakt, die ihn prägte als Student des Journalismus, der Geschichte und Philosophie. Alte Sachen waren das, Jack Keruacs Sprache der Straße, die Beatniks wie der Lyriker Alan Ginsberg, der karge und klare Reporter-Romancier Truman Capote und selbstverständlich Bob Dylan.

Das Studentenleben finanzierte Fogarty im Café, dreimal die Woche als "Singer and Songwriter". Als solchen hat ihn auch Thomas Brandstätter ins Cassiopeia auf den Frauenkopf geholt, nachdem der über die Jahre immer intensivere Beziehungen nach Deutschland entwickelt hatte: als Berliner Taxifahrer und Postler. Vielleicht auch in einer Art Hassliebe, die der zu seiner australischen Heimat nahe kommt, als einer, der seiner Frau hier begegnet ist als australischer Rucksacktouristin, die später zur Marketing-Expertin wurde. Ihr wohl, die ihm den breiten Rücken freihält, gelten die viele zarten Liebeslieder.

"Du bist der Atem in Gottes Wort." Ironisch wie das sind viele von Paul Fogartys Lyrics angehaucht, die sich zuweilen zu Sätzen verdichten, die auch in der Übersetzung noch außergewöhnliche Tiefe, manchmal sanfte Wucht haben. Über seinen Vater schreibt er und singt das zu feinen, geraden und ungekünstelten Akkorden: "Wir sehen das schmutzige Wasser seine Augen füllen mit diesem Gift der Abwehr." Wirklich klingen kann so etwas nur in seiner Muttersprache. Dass ihn seine deutschen Erfahrungen geprägt haben, lässt Fogarty immer wieder einfließen. Ob seine galligen Mordfantasien für seine Arbeitgeber den Leuten der deutschen oder der australischen Post gelten, lässt er offen. Ausdrücklich diesem hiesigen Land und seinen Leuten schreibt er die Aufforderung ins Stammbuch: "Set Your children free!", lasst eure Kinder frei.

Paul Fogarty ist Individualist. Dieser australische Bob Dylan hat sich nie einer bestimmten Szene zugehörig gefühlt. Seit zehn Jahren lebt er als "Singer and Songwriter". Ein großes amerikanisches Label, die Universal, rief mal an. Da war er mit dem Fahrrad in Europa unterwegs. Irgendwie wurde nichts draus. So macht er auch in Deutschland seine Gigs und verkauft seine CDs mit diesen leisen, intensiven Liedern.

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