„Bubble Session“ sind die Publikumsssieger von „Local Heroes 2009“
Gemeinsam mit sechs Newcomerbands kämpften sie im Alten Theater Magdeburg um den begehrten Preis
Laut, skurril und überaus exotisch ging es zu. Dann aber wieder ganz leise, eingängig und voller Gefühl. Da tanzten Pinguine selbstbewusst über die Bühne, die den sportlichen Akteuren, welche sich mutig von den Boxen stürzten, in nichts nachstanden. Unten dann kreischende Fans, die alles für ihre Lieblinge gaben, neben tanzenden Mengen, die sich vom Geist der Musik tragen ließen. Die 20. Final-Ausgabe des bundesweit stattfindenden Local Heroes-Wettbewerbs war ein Abend voller spannender Gegensätze nicht nur kompositorischer Natur, den auch die Bad Freienwaldener Band „Bubble Session“ nicht so schnell vergessen wird.
„Das Niveau ist insgesamt viel höher als im letzten Jahr“ - die einzelnen Bands viel künstlerischer. Die Botschaft „wir meinen es ernst“ sei stärker zu spüren gewesen als sonst, fasste Jury-Mitglied und Coach Daniel Heerdmann, Inhaber des Labels „tiefdruck-musik“ am Ende des Berliner Semi-Finales Mitte Oktober seine Eindrücke zusammen. Auf Europas größter Jugendmesse, der YOU 2009, haben 13 der talentiertesten Nachwuchsbands Deutschlands ihr Können unter Beweis gestellt. Am vergangenen Samstag folgte im Alten Theater zu Magdeburg nun die Krönung all ihrer Anstrengungen. Heerdmanns Urteil, so viel kann vorweggenommen werden, bewahrheitete sich auch in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Sieben vielversprechende Newcomerbands aus der gesamten Bundesrepublik waren am 7. November angetreten: Allesamt zeigten sie eindrucksvoll, dass der Musik-Experte sich nicht getäuscht hatte.
Online-Voting verkehrt – „Bubble Session“ wollten unbedingt als Erste ran
Für die Brandenburger Formation „Bubble Session“ war schon der Auftritt in Berlin eine solch beeindruckende Angelegenheit, dass sie unbedingt mehr davon haben wollten: „Wir haben uns nach dem Halbfinale sofort daran gemacht, Fans dazu zu bewegen, uns zum Finale zu begleiten und uns auf gewünschte Spielposition zu voten“, erzählt das „mittlere Orchester“ begeistert. René "Bubble" Altenburg und Robert "Zorn" Cyrul am Rap, Katharina Förster am Soul, Alexander Heinrich an der Stromgitarre, Florian Salewski am Bass, Jan-Henning Nass am Schlagzeug, Ronald Köhler am Saxophon, Steffen Mäbert an der Posaune, Tobias Haferbecker an der Trompete und schließlich Alexander Schromm an der Trompete hatten sich vorgenommen, nicht nur musikalisch, sondern gerade optisch noch einen obendrauf zu setzen. Seit 21. Oktober hatten ihre Fans zum ersten Mal Gelegenheit per Online-Voting über die Spielposition ihrer Band abzustimmen und somit einen ganz eigenen Beitrag zum Gelingen am Abend zu leisten. „Bubble Session“ hatten jedoch anderes im Sinn als von den Veranstaltern angedacht, schmunzelten Kathi und Roland: Allzu gerne wollten sie die eigentlich „undankbare“ erste Position ergattern, da die Band einen richtigen Soundcheck realisieren wollte. „Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Fans nicht zum Abstimmen aufzurufen. Der Sound war uns im Endeffekt wichtiger als eine spätere Startposition.“ Ihr Wunsch hatte sich nun erfüllt. Sie durften als erste ran. Schon in Berlin hatte die „Crossover-Truppe“ gezeigt, was sie aus ihren Instrumenten und Kehlen so alles herausholen kann. Und auch diesmal haben Sie es geschafft, mit Qualität, Authentizität und vor allem Professionalität zu überzeugen. „Unsere Fans und uns selbst mit unserem Auftritt zufrieden zu stellen, ist uns am wichtigsten“, hatten die Musiker im Vorfeld betont. „Preise oder Titel haben weniger Bedeutung für uns, sind aber auch sehr erfreulich oder möglicherweise eine wertvolle Referenz.“
Die individuelle Musik-Mischung der Zehn, die diese ständig weiter zu entwickeln suchen, grub sich in die Herzen der Magdeburger Zuschauer. Gut gewappnet und mit insgesamt rund 110 Fans im Gepäck waren sie zur „Soundexplosion“ angetreten und verwandelten das altehrwürdige Gebäude in eine „dampfende Jam-Session“.
Die Ohren der Anwesenden spitzten sich als es die ersten Töne irgendwo zwischen Crossover, Funk, Rap und Dancehall erhaschten, kaum ein Fuß blieb still auf der Erde. Das Konzept aus Bläsern und Schlagzeug, Gitarre und Bass, zwei Rappern gekrönt von einer Sängerin ging vollends auf. Der Saal tobte, Plakate wurden über den Köpfen geschwungen und „Bubble Session“ zeigten von der ersten Sekunde an volle Bühnenpräsenz, die zeigte: Hier musizieren echte Freunde miteinander. Unentwegte Zugabe-Rufe krönten denn auch ihre Leistungen. „Wettbewerbserfahrung, eventuell neue Hörerschaft, neues gutes Bildmaterial, neues Wissen vermittelt durchs Coaching“, hatten „Bubble Session“ erwartet, bekommen haben sie obendrauf eine Party der Extraklasse.
„Sie müssen mich überzeugen“
Lange haben alle Anwesenden der Entscheidung an diesem Abend entgegenfiebern müssen. Denn gerockt wurde im Gegensatz zur Show in Berlin, bis in die frühen Morgenstunden. Schweißtreibend ging es hierbei vor als auch auf der Bühne zu. Lauthals wurden alle Nachwuchskünstler von den vielen in Bussen mitgereisten Fans und dem heimischen Publikum angefeuert. Zugaberufe hallten durch den Raum und auch oben auf der Bühne wurde in den jeweils 20 Minuten Spielzeit gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr.
“Bubble Session“ haben sich gemeinsam mit „Neon Pingu Pussy“ aus Sachsen, „Elephant Party“ aus Schleswig-Holstein, „Intermediate“ aus Bremen, „Frames“ aus Niedersachsen, „Liquid Lightning“ aus Nordrhein-Westfalen und schließlich „The Drakes“ aus Sachsen-Anhalt in einem kräftezehrenden Wettstreit erneut „den Arsch abgespielt“. Doch „Musik zu beurteilen ist schwer“, gab schon im vergangenen Jahr Jurymitglied Christof Stein-Schneider, Gitarrist von Fury in the Slaughterhouse, zu bedenken. „Sie müssen mich überzeugen“, legte er deshalb als Kriterium für seine Beurteilung fest, was die Jury heuer durch zahlreiche weitere Punkte ergänzte.
Fest stand für sie aber von der ersten Beratungsminute an: Das Niveau hat sich im Vergleich zu 2008 noch einmal gesteigert und auch innerhalb dieser Runde gab es einen echten Schub nach vorne. Daneben wurde jedoch auch ein neuer Trend ausgemacht: „Das Keyboard ist das neue Saxophon“, schmunzelte Daniel Heerdmann und spielte damit auf die Tendenz fast aller Teilnehmer an ihrer Musik vermehrt elektronische Elemente hinzuzufügen.
Während die siebenköpfige Fachjury, bestehend aus erfahrenen Musikern, Journalisten und Veranstaltern also intensive Diskussionsrunden über Stilistik, Technik, Bühnenpräsenz und neue Tendenzen abhielten, hatte das Publikum die Qual der Wahl. Zwei Stimmen mussten abgegeben werden, die am Ende zwar nicht über Wohl und Wehe, aber immerhin über einen „Platz auf dem Treppchen“ mitentschieden. Das vorgegebene 40:60-Konzept des Traditions-Contests (40 Prozent für das Publikum, 60 Prozent für die Jury) bewährte sich auch diesmal. Eine leichte Entscheidung war es allerdings nicht. „Musik ist ein Für- und Miteinander“, stellte Moderator Phil, Gitarrist der Gruppe Dario, die Philosophie des Abends heraus. Um Konkurrenz ginge es hier eigentlich gar nicht. Denn alle Beteiligten vereine der Spaß an der Musik und gerade die Menschen hinter den Kulissen von Local Heroes würden jede Menge Herz in diese Sache hängen. Und so galt es, ein weiteres Mal nicht nur den heißbegehrten Titel „Beste Newcomerband 2009“ zu vergeben, sondern darüber hinaus den Publikumsliebling des Abends sowie die Gewinner des diesjährigen Jurypreises zu ermitteln.
Nun hat Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt gewählt: Die Local Heroes 2009 stehen fest: Den Gesamtsieg als auch den Jurypreis räumten „Liquid Lightning“ aus Nordrhein-Westfalen ab.
Das Publikum krönte „Bubble Session“ aus Brandenburg zu ihren Lieblingen.
Sichtlich überrascht und noch gar nicht fassend, was da gerade mit ihnen geschehen war, nahmen diese ihre Preise entgegen. „Bubble Session“ können sich auf 100 Fan-Shirts, gesponsert von EMP freuen sowie einen Tourbus für eine komplette Woche, der von der Deutschen Rockmusik Stiftung zur Verfügung gestellt wird. „Liquid Lightning“ erhielten gar ein „Komplett-Paket“, wie es die Jury bezeichnete. An sie ging ein Zuschuss zu einer Songproduktion, gestiftet vom Kulturminister Sachsen-Anhalts. Produziert wird der Song von EOR Media Studio. Local Heroes wird diesen im Anschluss 1500 Mal auf CD bannen und im Anschluss im Radio promoten. „Der Song wird sich später bei Amazon, itunes und vielen weiteren Portalen finden“, so die Jury. Das sei eine echte Chance für diese Band weiter voran zu kommen. Die Freude war dementsprechend riesig. Doch am Ende war man sich einig: Sieger, das sind sie alle, weswegen an diesem Abend keine Truppe mit leeren Händen nach Hause ging. Immerhin waren es am Ende genau ihre Talente, die aus 150 Einzelveranstaltungen mit rund 1700 Teilnehmern und 100.000 Besuchern hervorgebracht wurden.
Euphorie gepaart mit außergewöhnlichen Momenten...
... lautete deshalb auch das Resümee für diese abwechslungsreiche nacht. Angefeuert durch den mitreißenden Support der bekannten Band 4LYN, die den Wettbewerb gebührend beschlossen sowie zahlreiche ehemalige local-heroes-Teilnehmer, die sich heuer erstmals auf einer eigenen Unplugged-Bühne tummelten, liefen sie alle zu wahrer Höchstform auf. „Wir waren etwas verwirrt und wussten zunächst gar nicht, was gerade passiert“, erzählte Katharina von den ersten Momenten während der Ergebnisverkündung.
Die Freude unter den Bandmitglieder war riesig, gerade den Publikumspreis gewonnen zu haben. Dennoch befänden sie sich im Augenblick noch in einer wahren „Wildwasserfahrt“ der Emotionen. „Der Gig war tierisch geil“, strahlten die jungen Künstler. Der Preis käme genau richtig, würden doch gerade die Fans davon profitieren, die immer da gewesen wären. Der nächste Schritt in ihrer Bandbiographie sei nun erst mal die Aufnahme ihrer EP „Unvergesslich“, die bald erscheinen soll. Gemeinsam mit ihren Anhänger ging es nach der Veranstaltung erst einmal ans Feiern. Denn am Ende war es ihnen und ihren Mitstreitern gelungen, das Motto von Aktion Musik/local heroes e.V. noch einmal deutlich zu unterstreichen. Denn wie in jedem Jahr, so hieß es auch diesmal: “Ihr spielt die Musik!”
Die Teilnehmer im Überblick:
1. SACHSEN: Neon Pingu Pussys
2. BRANDENBURG: Bubble Session
3. SCHLESWIG-HOLSTEIN: Elephant Party
4. BREMEN: Intermediate
5. NIEDERSACHSEN: Frames
6. NORDRHEIN-WESTFALEN: Liquid Lightning
7. SACHSEN-ANHALT: The Drakes
Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Inhalt. Hier kannst du einen schreiben: